Achtung! Casting

 

Die Backstage-Dokumentation

zum entstehenden Spielfilm Kora

 

Ein Film von Urs Odermatt

89 Minuten, DCP, deutsch, englische Untertitel

 

 

Produzent

Jasmin Morgan

 

Buch, Regie

Urs Odermatt

 

Kamera

Florian Banicki

 

Schnitt

Felix Balke

 

Colour Grading

Marco Gruber

 

Tonbearbeitung

Jeffrey Baumann

 

englische Untertitel

Finbarr Morrin

 

Regieassistenz

Micha Muhl

 

Kameraassistenz

Felix Bühler

 

zweite Kamera

Reza Ghadyani, Moritz Hofstetter, Sharif Ibrahim, Thomas Keller, Josh Muhl, Dieter Primig

Mario von Ow, Nik Winzenried

 

Crew

Rahel von Arx, Fabienne Braun, Bardha Grigioni, Thomas Gutmann, Kerstin Höhne

Chris Michael, Rahel Schmid, Thomas Walther

 

 

mit

Helene Aderhold, Marcus Calvin, Dagny Dewath, Jürgen Heimüller, Sabine Martin

Michael Ransburg, Laila Richter, Nils Willers, u.v.a.

 

 

Drehorte

Fachhochschule Nordwestschweiz, Brugg

Europäisches Theaterinstitut ETI, Berlin

Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, Ludwigsburg

ehem. GST-Schule, Ballenstedt

Dieselhalle, alte Spinnerei, Windisch

 

Leihgaben

Markus Zimmermann, Zimac AG, Hausen

Scorproduction GmbH, Zürich

Schärer + Kunz AG, Zürich

Open Eye GmbH, Zürich

Sidefyn GmbH, Zürich

Simon Huber, Bern

Kai Festersen, Gießen

 

besonderen Dank

Heide & Robert Springer, Galerie Springer Berlin

Dr. Beate Kemfert

Arnold Odermatt

 

Produktion

Verein Kulturwerkstatt Nordwest

 

Schweiz, Deutschland 2018

© Nordwest Film AG

Achtung! Casting dokumentiert die Rollen-vorsprechen für den Spielfilm Kora von

Urs Odermatt.

 

Als Begleitwerk zu Kora gibt der Backstage-Film Achtung! Casting Einblicke in die komplexe Arbeit zwischen Schauspieler

und Regie.

 

 

 

 

KRUPP

Ein gesundes Volk wichst nicht. Es befruchtet.

 

ISABEL

Seit Jahren fühle ich mich alt und verbraucht.

Aber ich bin keine dreißig. Mein Gott, ich bin keine dreißig. Und ich habe sogar Angst vor meiner eigenen Tochter.

 

MORTEN

Kora ist meine Tochter. Ich bin unschuldig.

Ich würde mir eher die Hand abhacken lassen.

 

KORA

Würde es dir helfen, nicht unschuldig im Gefängnis zu sitzen?

 

GERD

Hängen rechnet sich nicht. Kaufmännisch gesehen ist Hängen Unsinn.

Ingmar Bergman auf Speed – eine performativ beschleunigte Gesichter-, Mimik- und Artikulationsstudie, eine Sprechoper ohne Kulissen, ein durchrhythmisierter Par­force­ritt durch prägnante „Kora“-Dialoge, bei dem Schnittechnik, Texte und die Großaufnahme ganz im Vordergrund stehen. Das hat einen starken Sog und eine enorme Wucht!

 

Die Faszination entsteht durch die Gesichter-, Stimmen-, Mimik- und Duktus-Unterschiede. Ein Kaleidoskop menschlicher Gesichter und Stimmen, Betonungen und Expressivität. Es ist kein gefälliger Casting-Film, es ist eine Konfrontation des Zuschauers mit dem Darstellungswillen, dem Ausdruckswillen, dem Aufmerksamkeitswillen der Schauspieler. Es ist Respekt und Wertschätzung für den Einzelnen, der sich der Kamera nackt aussetzt, die gnadenlos filmt und beurteilt, durch Hochauflösung physiognomischer Eigenarten. Es ist ein Reigen körperlich- und stimmlich-mimischer Bewerbungen, die überzeugen, nein, überwältigen wollen.

 

„Achtung! Casting“ ist kein Casting-Film, sondern ein genrehybrider Kunst-Film, der die Castingsituation formal, rhythmisch und inhaltlich auf die Energetik und Einmaligkeit menschlicher Körper, Gesichter, Stimmen fokussiert. Das habe ich so noch nie gesehen, das ist sehr radikal und erst einmal eine Überforderung – wie immer bei Dir.

Michael Birkner, Dramaturg

 

Achtung! Casting

Notizen der Produzentin

 

Produzentin der Filme von Urs Odermatt wurde ich als branchenfremde Quereinsteigerin. Als ich den Regisseur 2007 kennenlernte, stieß ich gleich von Anfang an auf seine Arbeit mit den Schauspielern bei Mein Kampf von George Tabori – Vorsprechen, Castings, Proben und Dreharbeiten.

 

Urs Odermatts eigene Methode, Castings zu gestalten, war für mich das naheliegende, selbstverständliche und sinnvolle Vorgehen, das ich gleich ohne Nachdenken begleitete. Erst im Laufe der Zeit, als ich den Weg anderer Produzenten und Filmleute kennenlernte und Einblick in deren Arbeit bei Film und Fernsehen erhielt, wurde mir klar, wie anders Urs Odermatts Vorgehen bei Castings ist.

 

Branchenüblich ist, daß externe Besetzungsfachleute die Schauspieler für die Produktion casten. Mit großem Einfluß der gesichtervorschlagenden Schauspielagenturen, aller beteiligten Koproduzenten, der mitentscheidenden Fernsehredakteure sowie der Wohnsitzvorgabe der Filmförderung. Das geht von der aufwendigen Besetzungsrecherche bis hin zu sogenannten E-Castings, bei denen die Schauspieler online oder auf Datenträgern einen Rollentext sowie einen Motivationstext sprechen und der Produktion übermitteln. Am Ende wird die Auswahl dem Regisseur vorgeschlagen oder mitgeteilt.

 

Mir erschien das unpassend, ist es doch der Regisseur, der überzeugt sein muß, daß ein Schauspieler für Stück, Rolle und Zusammenarbeit paßt, und genauso ist es der Schauspieler, der überzeugt sein muß, daß für ihn die Zusammenarbeit mit dem Regisseur paßt. Letztlich ein Vorgehen, das sich gar nicht so sehr von einem Bewerbungsgespräch in einer anderen kreativen Branche unterscheidet: das persönliche Kennenlernen zweier Gestalter, das gemeinsame Probieren einer möglichen Konstellation, das Herausfinden, ob es paßt oder nicht, ob man sich in der Arbeit versteht und die Codes kurz sind. Ob es neben dem Verbalen noch eine intuitive Kommunikation gibt. Ob die Lust da ist, sich über den Dienst nach Vorschrift aufeinander einzulassen. Das Resultat der gemeinsamen Anstrengung hängt sehr stark von diesem Prozeß ab. Wir hätten Schauspieler verloren, hätten sie erst während der Dreharbeiten gemerkt, worauf sie sich über einen längeren Zeitraum eingelassen haben. Vorstellungsgespräche in der Kneipe, Demovideos und Agenturcastings sind kein Ersatz für das persönliche Kennenlernen in der konkreten, drehnahen Arbeit.

 

Nach den Erfahrungen bei Der böse Onkel, wo Urs Odermatt Szenen aus den Castings, den Making-ofs und aus Interviews als formales Element im Film verwendete – also Brechen mit den Regeln der filmischen Illusion durch Schleifen der Vierten Wand und das Kombinieren von Elementen der Bühne, der Filmfiktion und des Dokumentarischen – war mir klar, daß wir die Castings zum aufwendigen Spielfilm Kora mit seinen drei Ebenen Realität im europäischen Osten, Tagtraum in Irland und kommentierende Weisheiten der Filmbranche bereits als Dreharbeiten gestalten müssen. Mit einer 4K-Kinokamera, zwei Second-Unit-Kameras und guter Lichtausstattung, im Studio und mit einer vollständigen Crew. Aus Produzentensicht hat dies den Vorteil, daß sich bei dieser Gelegenheit neue Konstellationen hinter der Kamera kurzzeitig ausprobieren lassen. Es nützt ja nichts, wenn man sich beim Biergeplauder bestens versteht, aber die Zusammenarbeit stockt. Bei Der böse Onkel habe ich gesehen, wie privat Fremde hinter der Kamera größte Arbeitsintimität finden können.

 

Das Organisieren der Castings von Urs Odermatt ist eine aufregende und spannende Sache. Meist, wie bei Kora, erzählen seine Dialoge frechste Quersichten zu einem sozial relevanten Stoff. Am Vorabend vor dem Casting macht Urs Odermatt eine Leseprobe mit allen Teilnehmern. Neben den Dialogen der Vorsprechszenen erhält jeder Bewerber das vollständige Drehbuch ein paar Wochen vor dem Termin zur Vorbereitung. Wir haben lange diskutiert, ob wir wirklich riskieren sollen, daß alle Welt das Drehbuch vor Drehbeginn kennt – und wir haben uns entschlossen, daß es für Schauspieler und Crew keine Geheimnisse geben soll; je mehr Leute das Drehbuch kennen, desto mehr Leute entlarven einen allfälligen Ideenklau. Trotz der strengen Vorgaben, die wir schon in der Castingausschreibung entwarfen – No-Budget-Projekt, Bereitschaft zu Nacktszenen, Casting als Teil der Dreharbeiten, anspruchsvolle und beistrichpräzisezulernende Texte – haben uns über achthundert Zuschriften erreicht. Eine Handvoll Bewerber hat später einen Rückzieher gemacht, nachdem sie alle Informationen studiert haben. Andere haben sich samt befreundeten Schauspielerkollegen angemeldet, um sich der Herausforderung zu stellen. Einige Schauspieler reisten an, obschon sie wußten, daß sie wegen ihrer Theaterengagements gar nicht für den Film besetzt werden können, nur, weil sie von den „berüchtigten“ Odermatt-Castings gehört haben und die Forderungen seiner Texte selbst bestätigt sehen wollten.

 

Die Leseprobe war rammelvoll. Urs Odermatt erklärte das Konzept des Films, die Inszenierung, den Ablauf des Castings, er las mit den Schauspielern die Texte und stellte sich den Fragen des Wie-weit-gehens („…so intim wie möglich, aber keine Sekunde privat.“). Er besteht immer, wie bei den Noten einer Partitur, auf das silbengenaue Sprechen seiner Texte, er arbeitet mit der Kamera supernah, oft ist sie Spielpartnerin mit Anspiel direkt in die Optik, er läßt aber im Spiel selbst den Schauspielern allen Freiraum bei der Gestaltung die Rolle, mit der ständigen Forderung nach Veränderung („Das habe ich schon gesehen!“).

 

Urs Odermatts Perfektionismus, die Präzision und Strenge wie auch die Eigenheiten in der Spielleitung sowie die in ihre Knappheit erst leicht scheinenden, im schnellen Rhythmus der Dialoge und in den superknappen Anschlüssen aber knüppelharten Texte lassen viele Schauspieler bald an Grenzen stoßen. Nach meiner Beobachtung schätzten es die Schauspieler stets sehr, mit Respekt auf gleicher Augenhöhe und in dieser unnachgiebiger Strenge gefordert zu werden. Strenge in einem ruhigen und schweizerisch höflichen Umgangston, nicht immer nett, fair und politisch korrekt – es geht um Ausloten von Grenzen, aber nie mit einem falschen Ton. Ich habe ihn in den elf Jahren, die wir nun zusammenarbeiten, nie laut schimpfen gehört, in den brenzligsten Situationen nie die Nerven verlieren gesehen. Genau zu wissen, was er will, hilft. Und perfekte Vorbereitung hilft, bei Not locker zu improvisieren. Außerdem haben höfliche, ruhige, aber unerbittliche Schweizer uns Deutsche schon immer entwaffnet.

 

Es ist für mich als Produzentin wahnsinnig spannend, der Arbeit von Urs Odermatt mit den Schauspielern zuzusehen. Die meisten Teilnehmer seiner Castings waren sehr gut vorbereitet. Mit Haltungen, Ideen und Ansätzen zur Rolle, auf die man gar nicht kommt. Da das Drehbuch Kora über weite Strecken eine reine Dialogliste ist, läßt es der Phantasie der Schauspieler überaus viel Raum. Oft denke ich, daß ein Schauspieler vom Typ überhaupt nicht auf die Rolle paßt. Dann macht dieser sich die Figur so überraschend anders zu eigen, daß ich wider Erwarten erstaunt zustimme. Urs Odermatt ist da völlig schmerzfrei und schaut sich alles neugierig an, selbst wenn sich Großmütter für Teenierollen melden. Er läßt immer Raum für Wiederholungen, und wenn der Schauspieler nach einem kläglichen Waterloo eine zweite Chance an einen neuen Termin will, ist das immer möglich. Es gab schon Hauptrollezusagen beim dritten Castings mit Nein in der ersten und in der zweiten Runde. Tränen und Stürze zählen nicht, nur das Auf- und Hinstehen gewinnt. Es ist für mich mehr als faszinierend zu sehen, wie schmal die Gratwanderung der Schauspieler ist, selbst oder gerade bei der körperlichen Anstrengung und der immensen Konzentration, wie sie das Kora-Drehbuch verlangt, derart fesselnden Emotionen zu transportieren, in intimsten Maße Haut und vor allem die Seele blankzuziehen, dies aber immer mit Spielwerkzeug zu bauen und nie privat werden zu lassen. Bei Urs Odermatts Dreharbeiten fällt jeder am Ende des Drehtags todmüde ins nächstgelegene Bett.

 

Nach den einzelnen Castings gab es nie viel zu diskutieren; die Bilder der aufgezeichneten Szenen zeigen meist klar und eindeutig, welche Besetzung vom Sitz reißt. Aber es gibt auch eine Reihe Schauspieler, die sich mit bloßer Begeisterung, Spielwut und Empathie Urs Odermatt an den Gehrockzipfel gehängt haben und schließlich Teil des Ensembles wurden. Urs Odermatt hat nie einen Schauspieler weggeschickt, wenn dieser sich ums Verrecken nicht hat abwimmeln lassen und bei den Dreharbeiten einfach auf der Matte stand. Auch in Ballenstedt hat er einige Male – wenn keine passende Rolle im Drehbuch stand – über Nacht für den ungefragt Ungereisten etwas geschrieben. Als Produzentin habe oft nur schimpfend akzeptiert, daß ein Hotelbett mehr zu bezahlen, ein Maul mehr zu stopfen, ein Maske- und Kostümbau mehr einzuplanen war.

 

Die Sichtung des Castingmaterials blieb fesselnd. Die Schauspieler – viele kenne ich mittlerweile als gute Kollegen persönlich – sind im Spiel oft völlig anders als privat und live. Kantinenclowns muß die Regie oft sehr viel helfen; graue Mäuse blühen manchmal vor der Kamera völlig auf. Beides passiert, und alles ist möglich. Es gab Schauspieler, an die wir uns bei der Heimfahrt nach dem Casting kaum erinnerten – kaum sahen wir sie auf dem Monitor, hat es uns fast umgehauen. Ich bat Urs Odermatt und den Schnittmeister Felix Balke, mir für die Finanzierungsarbeiten zu Kora einen fünfminütigen Teaser aus dem Castingmaterial zusammenstellen, damit potentielle Geldgeber einen gültigen Eindruck des Projekts Kora und der Arbeit an den Texten erhalten.

 

Ich plante zwei Tage mit Felix Balke und Urs Odermatt am Schnittplatz dafür ein. Aber ein Kurzfilm war mit den beiden bockigen Künstlern nicht zu machen. Aus den fünf Minuten wurden zehn, dann zwanzig, aus den zwei Tagen Wochen, dann Monate. Ich ließ sie machen – die Aufnahmen der Castings waren so inspirierend, daß die beiden nicht aufhörten, sie zu montieren. In den folgenden Castings sowie bei den Dreharbeiten in Ballenstedt zeigten wir Teile des Schnitts Crew und Cast beim Abendbier. Es wurden lange Abende.

 

Felix Balke und Urs Odermatt haben in vielen Monaten einen Film auf die Welt gezaubert, der völlig andersartig ist. Eine Dokument der Castings, ein Fest der Schauspielkunst, ein Fest von Timing und Montage, eine performative Installation, ein Experiment – sehr Odermatt.

 

Dieser spontan entstandene Film ist ein riesiges Geschenk für mich und für alle, die vor und hinter der Kamera alles gegeben haben. Ein Geschenk, das zeigt, wie Castings sein können, wenn es nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner aller vorauseilendvorsichtigen Weisungsberechtigten geht, sondern um das beste, nur das beste über alles.

 

Ich habe jetzt nicht nur ein paar Minuten Teaser für meinen Finanzierungsmarathon, sondern ein abendfüllendes, geniales Werk, ein Privileg, das mich an Steidl erinnert, dessen halbjährliche Verlagskataloge aufwendiger sind als viele Bücher anderer Verlage und bei dem Urs Odermatt in Göttingen vier große Photobücher herausgegeben hat. Ich freue mich – mit diesem Werkzeug in der Hand – auf die Produktionsarbeiten zu Kora; bereits jetzt hat der Film einige Türen geöffnet, für mich, wie auch für Schauspieler und Crewmitglieder.

 

Achtung! Casting haben wir unseren Film getauft. Als nichtgewinnorientiertes, begleitendes Werk zu Kora verfügt der Verein Kulturwerkstatt Nordwest mit Achtung! Casting über einen einzigartigen Backstage-Film, den ich an Festivals, in Sondervorführungen im Kino und – mit einem 48seitigen Textbeiheft – als DVD oder VoD zeigen kann.

Jasmin Morgan

Nur die Harten kommen in den Garten

 

„Achtung! Casting“ – ein Filmtitel als Warnung. Wer macht denn so etwas? Urs Odermatt. Der böse Bube, der 2011 „Der böse Onkel“ verfilmt hat und damit einige Puristen gegen sich aufbrachte, dafür viele Unvoreingenommenen für sich einnahm. Ausgegeben hat er für den Film nicht viel. „Ich bin ein Nutznießer der digitalen Revolution“, sagt der in Stans geborene Autor und Regisseur, der sein Handwerk bei Krzysztof Kieślowski und Edward Żebrowski in Polen gelernt hat. „Wenn Sie so einen Film analog drehen wollen, dann kostet das Material alleine schon einen sechsstelligen Betrag. Ein paar Terafestplatten sind da viel erschwinglicher.“

 

„Der böse Onkel“ war der erste digitale Spielfilm der Schweiz. Er rückte seinen Schöpfer nicht nur wegen des heißen Themas des sexuellen Mißbrauchs in den Fokus der Öffentlichkeit, sondern auch wegen seiner, für Schweizer Verhältnisse, total neuen und unkonventionellen Machart. Odermatt tut nicht, was man tut, um eine Geschichte filmisch darzustellen. Er hat eine Geschichte, nein, einen Text, und den will er von seinen Schauspielern so verinnerlicht wissen, daß der Zuschauer einer halbnackten 50jährigen glaubt, wenn sie ihm sagt: „Ich bin fünfzehn.“

 

Es geht in „Achtung! Casting“ um nichts anderes, als um genau diesen magischen Moment, in dem ein Schauspieler mit einem vorgegebenen Text für den Zuschauer zu einem glaubhaften und spürbaren Ganzen wird. „In der Theorie heißt es, Kino sei Illusion, und Theater sei Behauptung“, sagt Odermatt und grinst dann fast spitzbübisch. „Ich wünsche mir, daß nach der Première dieses Films ein Gerücht die Runde macht, nämlich, daß die Behauptung im Film auch funktioniert.“

 

Odermatt hatte für sein aktuelles Spielfilmprojekt, „Kora“, Schauspieler gesucht. Zum Casting erschienen mehr als sechshundert Personen. Er ließ sie alle, immer gruppenweise, dieselben Textpassagen sprechen. Dabei verlangte er nicht nur absolute Textgenauigkeit, sondern die totale Hingabe: „Ich wollte nicht wissen, was sie können – daß sie ihr Handwerk verstehen, davon gehe ich aus –, sondern, was sie zu geben bereit sind.“ Das Casting wurde aufgezeichnet, um daraus einen Kurzfilm zu schneiden. Mit diesem wollte Odermatts Produzentin, Jasmin Morgan, auf Sponsorensuche für das „Kora“-Projekt gehen. Doch beim Schneiden des Materials merkten die beiden, daß viel mehr in diesen Aufnahmen steckte. So wurde aus dem Kurzfilm für „Kora“ eine abendfüllende Dokumentation von fünfundachtzig Minuten, die in packender und berührender Weise zeigt, was es braucht, um als Schauspieler zu überzeugen. Dazu Odermatt lakonisch: „Die Besten kommen groß raus, nicht die Guten.“

Christian Breitschmid, Aargauer Zeitung, Wohlen, 5. Juli 2018

 

 

Schauspieler müssen das erst einstecken: Bei Urs Odermatt ist keiner die Hauptrolle. Die Hauptrolle sind seine Texte.

Michael Ransburg, Schauspieler

 

Nach einem Drehtag mit Urs Odermatt fällt man in jedes Bett, das sich bietet.

Sabine Martin, Schauspielerin

 

Stimmt es, daß Schauspielerinnen nackt vorsprechen werden?

Florian Banicki, Kamera

 

Casting als performative Installation.

Urs Odermatt, Regisseur

 

Sehr stark, Mannomann, ein Kracher!

Thomas Bohn, Snowdance Independent FIlm Festival

 

Schauspielkunst der obersten Liga – und die glühende Spielwut der neuen Gesichter.

Beni Müller, Filmwissenschaftler

 

600 Schauspieler wollten zum Film – 200 Schauspieler sind im Film!

  Nils Willers, Schauspieler

 

Ein richtiges Kunstwerk – solche Filme sind selten geworden.

Steff Gruber, Regisseur

 

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